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Prophylaxe nicht zu früh einsetzen

Palivizumab-AntikörperRSV-Atemwegserkrankungen betreffen weltweit 48,5 von 1 000 Kindern im ersten Lebensjahr. Bei 5,6 handelt es sich um schwere Fälle. Je nach Risikogruppe können bis zu 5,2 % der RSV-Infektionen tödlich verlaufen. Der humanisierte monoklonale Antikörper Palivizumab der IgG1-Subklasse dient der Prophylaxe von Risikogruppen im Kindesalter. Er besitzt eine neutralisierende und fusionsinhibitorische Aktivität gegenüber beiden RSV-Unter -typen A und B.

Aufgrund aktueller Daten aus dem Netzwerk für Respiratorische Viren hat die Kommission Antivirale Therapie der Gesellschaft für Virologie (GfV), der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) und der Paul-Ehrlich-Gesellschaft (PEG) die Risikogruppen überarbeitet und neue Empfehlungen formuliert:

♦  Die Palivizumab-Prophylaxe bei den gefährdeten Gruppen sollte in Deutschland zu einem etwas späteren Zeitpunkt beginnen, das heißt Ende Oktober bis Anfang November. Es sei denn, es liegen epidemiologische Daten vor, die für eine extrem früh beginnende Saison sprechen. Da standardmäßig fünf Applikationen im Abstand von einem Monat vorgesehen sind, findet bei diesem Vorgehen die letzte Applikation Ende Februar statt. Die Serum-Halbwertszeit von Palivizumab gewährleistet noch über Wochen nach der letzten Gabe einen Schutz.


♦  Wenn epidemiologische Daten belegen, dass das RS-Virus noch im März aktiv ist, sollten Ärzte bei Hochrisiko-Kindern eine weitere Palivizumab-Dosis in Erwägung ziehen, um einen Schutz bis in den April zu gewährleisten. Dies gilt auch, wenn das Kind die empfohlene Gesamtzahl von fünf Impfdosen zuvor erhalten hat.

♦  Bei RSV-Ausbrüchen auf Neugeborenen-Intensivstationen ist die Indikation für eine prophylaktische Gabe von Palivizumab an Neugeborene der Risikogruppe rasch zu prüfen und gegebenenfalls umzusetzen. Die Kommission spricht sich zudem in diesen Situationen für ein RSV-Screening der Station aus –bevorzugt auf molekularer Basis, um asymptomatische Infektionen zu entdecken.

Prof. Dr. med. Ortwin Adams - Institut für Virologie - Universitätsklinikum Düsseldorf

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